Archiv der Kategorie 'Archiv'

Archiv: „Antirepressiva-Kolumne“ aus GZ 120

Die Antirepressiva-Crew hat anlässlich des HRO-Heimspiels letzte Saison einen rausgehauen, inkl. Hammer-Zitaten aus Schergenhand. Da das Thema „Aufenthaltsverbote“ ja nicht aus der Welt ist, sondern diese scheinbar zur neuen polizeilichen Lieblingswaffe werden, haben wir den Text aus dem Archiv hervorgekramt.

Die Gazzetta #120 ist bereits die vierte in der Rückrunde der laufenden Spielzeit und es ist mal wieder an der Zeit, dass sich eure Antirepressionsgruppe zu Wort meldet. Denn neben der sportlichen und emotionalen Achterbahnfahrt der ersten Spiele in diesem Jahr ist auch abseits der Öffentlichkeit viel passiert.
Ausgangspunkt für diesen Artikel ist ein Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg bezüglich eines von der hamburgischen Polizei verhängten Aufenthaltsverbotes zum vergangenen Heimspiel gegen Hansa Rostock. Insgesamt verhängte die Polizei nach unseren Erkenntnissen gegen sechs Anhänger_innen unseres magischen FC derlei Aufenthaltsverbote, welche sowohl für den Bereich des Millerntors samt Umfeld und Viertel, als auch für das Innenstadtgebiet rund um den Hauptbahnhof galten. Logische Folge dieser als lediglich präventive Maßnahme zur Gefahrenabwehr deklarierten Vorgehensweise der Staatsmacht ist, dass die Betroffenen nicht zum Spiel gehen können, da dies einen Verstoß gegen die Verfügung bedeutete und unter anderem mit einer Ingewahrsamnahme darauf reagiert werden könnte. Ob die Personen eine Eintrittskarte für das Spiel haben oder nicht, interessiert nicht.
Jedenfalls ließen es die betroffenen USPler_innen nicht einfach so auf sich beruhen, dass ihnen der Stadionbesuch für das Spiel des Jahres untersagt wurde und gingen rechtlich gegen das verhängte Aufenthaltsverbot vor. Leider ohne Erfolg. Doch immerhin konnten wir in einem der Verfahren einen Einblick in die Logik der Staatsmacht erhaschen und die Begründung für diese Verbotsverfügung lesen.

(mehr…)

Archiv: „Tales from the crypt – Part II“ aus GZ 88

Und dann auch gleich der zweite Teil der „Tales from the crypt“ hintendran:

Der dicke HSVer steht vor mir und zeigt feist grinsend auf sein Kinn. „Schlag doch zu!“. Ich, ganz verdutzt, zögere erst mal. Nun, wenn er so bettelt…, denke ich mir, und semmel ihm eine, aber total halbherzig. Jedenfalls haut ihn das nicht um. Im selben Moment sehe ich über seine Schulter gefühlte 20 hsv-Kutten auf mich zulaufen. Jetzt heißt es Beine in die Hand nehmen…

Wie konnte es zu dieser misslichen Lage kommen? Es war Derbytag und wir mussten irgendwie nach Hause. Und leider benutzten unsere schwarz-weiß-blauen „Freunde“ die gleichen HVV-Züge wie wir. Tja, die Bedingungen Ende der 80er, Anfang der 90er waren für St.-Pauli-Fans wie uns alles andere als´n Ponyhof. Insbesondere, wenn man in einem Vorort der Hansestadt lebte, gerade mal 16-18 Jahre alt war, und gegenüber feindseligen Rothosen und üblen Faschos in der krassen Minderheit war. Das Gros der St.-Pauli-Fanszene setzte sich aus Bewohnern der Szene-Stadtteile St. Pauli, Altona und Eimsbüttel zusammen. Schon ein wenig außerhalb war Feindesland. Undenkbar, dass braun-weiße Anhänger aus der ganzen Republik zu den Spielen kommen, so wie es heute Usus ist. Der offizielle Treffpunkt für den damaligen Kern der Fanszene (Millerntor Roar, Fanladen und Umfeld) war bei Derbies der S-Bahnhof Sternschanze, um gemeinsam zum Volkspark zu reisen. Das machte Sinn und sorgte für Sicherheit. Zwar gab es in der braun-weißen Anhängerschaft schon einige Streetfighter und Hausbesetzer, doch die Masse der damaligen „Hamburg Ultras“ plus dummbatziger Kutten war Grund dafür, sich lieber in der Gruppe aufzumachen, um in die Ostkurve der Betonschüssel zu gelangen.

(mehr…)

Archiv: „Tales from the crypt“ aus GZ 70

Damals…..ein Veteran der Fanszene erinnert sich und beschreibt in der Gazzetta 70 die Entwicklung der Fanszene über die Jahrzehnte und erzählt ein paar Erinnerungen und Döntjes.

„Früher war alles besser“, „die guten alten Zeiten“ – ich sach euch: Das ist alles totaler Bullshit. Man braucht im Fanladen-Buch ja nur mal ein bisschen zu blättern und sich die Seiten aus der Zeit von sagen wir Ende der 80er und den letzten 3-4 Jahren anzuschauen und zu vergleichen. Das einzige, was „früher“ wirklich rockte, war die Stimmung bei den Heimspielen. Die resultierte aus der Euphorie der Besucher. Die meisten waren erst seit kurzem dabei und einfach begeistert über alles, was den Verein ausmachte. Das ist im Laufe der Jahre dann natürlich allmählich abgeflaut. Es gab viel, was man ertragen musste, und natürlich macht die anfängliche Euphorie irgendwann einer gewissen Gewohnheit Platz – man geht hin, weil man halt hingeht, weil man halt St.Pauli-Fan ist und bleibt. Richtige Begeisterung ist eigentlich nur noch bei USP und Umfeld festzustellen, vor allem weil hier viele junge und neue Fans dabei sind, die noch nicht so abgestumpft sind und für die „unser ganzes Leben, unsere ganze Kraft“ nicht nur ein Song ist, sondern Realität. (mehr…)

Archiv: „Anquatschversuche durch den Verfassungsschutz“ aus GZ 132

Antirepressiva USP informiert in Gazzetta 132 über die diversen Anquatschversuche bei unseren Mitgliedern durch den Verfassungsschutz und gibt klare Verhaltenstipps. Niemand muss mit so etwas alleine fertig werden.

Kennt ihr das, wenn ihr nicht wisst, wie ihr ein Gespräch anfangen wollt? Oder einen Artikel, wie in meinem Fall?
Dieses Problem haben die netten Herren vom Verfassungsschutz nicht!
Denn sie sind darauf trainiert, Gespräche mit Personen zu suchen und ihnen Informationen zu entlocken.
So auch bei vier unserer Mitglieder innerhalb der letzten 1,5 Jahre. Die Vorgehensweise ist stets die selbe. Entweder auf der Straße oder per Telefon versuchen die Beamten Kontakt aufzunehmen. Sie kommen dabei nicht einmal aggressiv rüber, sondern sprechen Dich mit dem Vornamen an und bitten um ein Gespräch. Im Fall unserer Leute ging es dabei um „Gewalt zwischen Links und Rechts“, also nichts zu Spezielles, um die Leute nicht skeptisch zu machen.
Das ist der Moment für Dich zu Handeln.
Auch hier ist klar: keine Aussage! Jedes Stück Information ist eines zu viel, denn wenn die Eines können, ist es Infos sammeln und sie zu einem größeren Bild zusammen setzen. (mehr…)

Archiv: „Stadtderby in Lima“ aus GZ 132

Der Artikel aus der aktuellen Gazzetta 132 bietet neben den fussballerischen Einzelheiten auch interessante Einblicke in das Leben in den ärmeren Stadtvierteln von Lima.

Moin allerseits, es gibt wieder Neues aus Peru: Nach einer Woche nervenaufreibender Arbeit ohne Freizeit, wüster Feierei Freitagnacht und der obligatorischen Suche nach kultureller Horizonterweiterung in der Riesenstadt Lima, stand am Sonntag mal wieder Fußball auf dem Programm: Alianza gegen Cristal, Stichwort Stadtderby!

Es wagt sich der kleine Club aus der Vorstadt in die Höhle des Löwen, Alianza Limas, zusammen mit seinem ewigen Rivalen, Universitario Deportes (“La U“, ebenfalls Lima) der größte Verein des Landes, und vieler Orts gefürchtet für seine in Teilen extrem gewaltbereite Anhängerschaft.
Das “Estadio Matute” liegt im selben Viertel, in dem ich arbeite und zurzeit auch wohne, La Victoria, und da mag es vorkommen, dass ich am frühen Nachmittag noch verpennt am frühstücken, fast vom Stuhl falle, weil jenes Klientel sich in den umliegenden Straßen Schusswechsel mit der Polizei liefert, während ihr Team ein paar Ecken weiter um Punkte ringt.
Wenn ich am Wochenende auf kleine Gruppen junger Leute treffe, die Adrenalin aufgeladen durch die Straßen joggen, den Kopf immer wieder über die Schulter werfen, um nach Cops Ausschau zu halten – dann weiß ich, dass Alianza spielt.
Wer hier wen jagt, ich kann es euch nicht sagen, Tatsache ist aber, dass mit jedem Heimspiel Hundertscharen von Jugendlichen angezogen werden, denen es zwar an Geld für den Stadionbesuch mangelt, nicht jedoch an Entschlossenheit sich einen erlebnisreichen Tag zu gestalten. (mehr…)