Archiv der Kategorie 'Archiv'

Archiv: „Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert!“ aus GZ 140

Na, kennt ihr diese Liedzeile aus dem Lied „Verdammt lang her“ der Kölner Band BAP? Weitere Textzeilen gefällig? „Wer alles, wenn es dir gelingt, hinter dir her rennt, deine Schulter klopft, wer dich nicht alles hofiert, sich ohne rot zu werden dein Freund nennt…“. Irgendwie passt sie zur aktuellen Situation, auch wenn der Zerstörung der Illusion natürlich ein Prozess von mehreren Jahren zu Grunde liegt, der nun nur letztendlich eskaliert ist. Der erste Teil stimmt dafür umso mehr: nicht resigniert – eher wütend und voller Tatendrang.

Das Ziel dieses Berichts ist es, allen Interessierten einen Einblick in die Entwicklungen der letzten Wochen zu geben. Viele haben uns gefragt, wie der Termin mit dem Präsidium gelaufen ist. Zwar wurde auf dem USP-Treffen davon berichtet, doch denken wir, dass sich noch viel mehr von euch dafür interessieren, gerade weil es Auswirkungen auf die gesamte Kurve und die gesamte Fanszene haben wird.
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Archiv: „Good vibes Ultrà Sankt Pauli“ aus GZ 87

Mal was etwas älteres, diese Packungsbeilage aus Gazzetta Nr. 87 erschien nämlich schon im April 2007 und doch ist der Artikel angesichts von frustrierenden Momenten, Diskussionen und manchmal vorherrschender Verwirrung immer noch aktuell und erfrischend aufmunternd. Er erinnert an die wichtigsten Dinge in unserem Kosmos, die wir niemals vergessen sollten.

Aufmerksame LeserInnen der Packungsbeilage werden die Zäsur dieser Kolumne erinnern, als ich nach der 4 zu 0-Niederlage gegen Köln 2 im Südstadion und dem damit einhergehenden Fanverhalten ankündigte, die Packungsbeilage nur noch für USPlerInnen und potenzielle Sympathisanten zu schreiben. Zu herbe war die Enttäuschung und zu stark der Glaube, man könne bestimmte Leute bekehren oder beeinflussen, dafür ist ihre Meinung zu verhärtet, der Hass zu groß und der Alkoholpegel zu weit fortgeschritten. Auch heute ist dieses noch so, vor den kommenden Worten musste es aber als Einleitung dienen.

Viele verschiedene Fans von St. Pauli jeglichen Alters oder Fraktion haben sich in den letzten Monaten vermehrt auf die Suche nach Unterschieden gemacht, anstatt bei uns allen die Gemeinsamkeiten zu suchen. Wir sind Fans, unterschiedlichster Art, aber mit dem Betreten des Stadions (Gästeblock und Rasen mal ausgenommen) sind wir alle Fans von St. Pauli. (mehr…)

Archiv: „Die dressierte Leserschaft“ aus GZ 116

Das Kleinod aus Gazzetta 116 beschäftigt sich mit dem damals viel diskutierten 11 Freunde-Artikel „Der dressierte Fanblock“:

Die Welle der Aufregung durchschwappte vor allem die Blog- und Forenwelt.
Nein! Ein Artikel über Ultras. Kritisch? Der Untergang des Abendlandes.

Vielleicht ist es die gelassene braunweiße Perspektive. Nach Jahren der kleinlichsten Kritik, Becherwürfen wegen Plakaten, ständigen Vorschlägen gen Pinneberg auszuwandern und Dauergenörgel via Internetpinnwand… da stumpft mensch ab. Was soll denn da neues kommen? Und dann auch noch aus der Student_innen-Postille schlechthin? Gelaber rund um den Fussball, bloss nicht drauf eingehen, dem Sport und dem Geschehen auf den Rängen zwanghaft irgendeinen Sinn geben. Bezeichnend: Diese Ausgabe inklusive dem Interview des Monats: Robert Enke über WG-Partys, Arbeitslosigkeit und den Zweikampf mit René Adler…
Woah, spannend. Liegt bestimmt beim Zahnarzt aus, vielleicht les ich es dort irgendwann. Wenn mich nicht die neuesten News über den Tod unserer Flyerkönigin Lady Di eher zur Gala greifen lassen… (mehr…)

Archiv: „Sankt Pauli, Deine Trainer II“ aus GZ 124

…“oder meine Lebensaffäre in 2-3 Sätzen“. Die versprochene zweite Folge aus der Gazzetta 124.

Wolfsburg. Unendliche Weiten. In der Ferne sieht man Schornsteine. Ab und zu Eingeborene am Wegesrand. Die Welt ist schön oder zumindest so ähnlich. Wir schreiben das Jahr 1994. Aus der großen Stadt am großen Fluss etwas weiter nördlich machen sich ca. 10000 Leute in das Nest am Mittellandkanal auf, um beim letzten Saisonspiel des FC St. Pauli zugegen zu sein.
Oh mann, mir quillen heute noch die Augen vor lauter Ärger aus’m Kopf, wenn ich an diesen verfluchten Tag denke. Mehrere Monate bestimmt der FC St. Pauli die 2. Liga nach Belieben. Sechs Spieltage vor Schluss hat der FC fünf Punkte Vorsprung (nach alter 2-Punkte-Regel) auf einen Nichtaufstiegsplatz. Begeistert nicht unbedingt mit schönem, dafür aber umso mehr mit effektivem Ergebnisfußball. Ein traumhaften Sieg gegen den Mitkonkurrenten 1860 München und ein legendäres Unentschieden beim späteren Aufsteiger VfL Bochum an ebenjenem 31. Spieltag, der von den mitgereisten St. Paulianern als eine Art Meisterstück im Unternehmen Aufsteig inklusive einstündigem Abfeiern der Mannschaft nach’m Spiel zelebriert wurde. Nach dem Remis in Bochum war für die meisten der Drops schon gelutscht, doch dieser Club sollte nicht der Verein unserer Träume sein, wäre da nicht noch was gewesen.

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Archiv: „Sankt Pauli, Deine Trainer“ aus GZ 121

…“oder meine Lebensaffäre in 2-3 Sätzen“. Geiler Text, die im vorletzten Absatz versprochene nächste Folge folgt dann auch bald.

1991. Klassenreise nach Plön. Zum ersten Mal geknutscht. Zum ersten Mal mit der „Deine-Mudder-kommt“-Methode auf Lunge geraucht – total heimlich und total krass am Bootssteg mit den total harten Jungs.
Eigentlich habe ich die Tage eher im Bereich meiner positiven Gedanken abgespeichert. Doch wenn ich ein wenig mehr grüble…die Erlebnisse mussten/müssen als Ersatzbefriedigung herhalten. Am Tag unserer Abfahrt war das letzte Saisonheimspiel des FC St. Pauli. Es hätte sonst was passieren können – immer wäre eine Lösung vorhanden gewesen.
Wie oft bin ich früher von Familienfeiern abgehauen, meist zusammen mit meinem Vater. Wie oft hab ich diese Feiern auch Feiern sein gelassen. Wie oft musste ich meine Leute enttäuschen, wenn Sie mit mir was unternehmen wollten. Alles nur, um die hässliche Diva quer durch Deutschland zu begleiten oder zuhause am Millerntor zu sehen und für 90 Minuten nicht mehr ich selbst zu sein, sondern eine Mischung aus Klaus Kinski und Miraculix, nachdem Obelix ihm den Hinkelstein über die Fontanelle gesemmelt hat. Diese Diva – sie hat mich so oft belogen und betrogen. Und sie hat sich nach jeder neuen Schandtat grinsend mit ihrer verzogenen Visage vor mich gestellt und mir zugeflüstert: „Du wirst mir nie entkommen!“. Ich habe ihr verziehen, immer wieder. Nur wenige außerhalb des Stadion-Dunstkreises haben mich je verstehen können. Wie auch: ich kann das alles ja auch nicht plausibel erläutern. Es ist eben immer da, dieses unstillbare Verlangen, irgendwann irgendwas von der Diva zurück zu bekommen.

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